Anwendung

In den Handformen steckt die Information der alten Meister.  Nur wenn der Schüler die richtigen Übungsmethoden und die entsprechenden Schlüssel kennt, kann sich der Schüler durch viel Fleiß die Information erarbeiten und die Techniken tatsächlich anwenden. Das klassische Tang Lang Quan benutzt 12 Prinzipien oder besser Schlüsselworte. Später erweiterte man sich auf 16, dann in den 40er Jahren nach einem Treffen vieler Tang Lang Meister kamen weitere vier Schlüssel hinzu.

Die 12 klassischen Schlüsselworte sind:

1) Zhan – Kontakt

2) Nian – Kleben

3) Bang – helfende Hand

4) Tie – anschmiegen

5) Ti – heben

6) Na – kontrolliert Fassen

7) Feng – versiegeln

8) Bi – verschliessen

9) Lai – locken

1o) Gou – haken

11) Lou – nach unten ziehen/leiten

12) Cai – pflücken

Zhao Shi (Pose, Form, Ausdruck, Stellung)

Um die Prinzipien korrekt anwenden zu können, muss der Schüler 5 Aspekte der  Pose miteinander harmonisieren:    

Yan – (Auge)        

Shou – (Hand)

Shen – (Körper-Geisteshaltung)

Fa – (Beherrschen der Anwendung)

Bu – (Stellung/Schritt)

 Der wichtigste Basisaspekt ist Bu. Ist der Schritt, die Stellung ungenau, wird alles andere auch ungenau. In der Bewegung schnell, im Stand fest und bewegungslos. Der Schritt wird schnell und gut durch das Üben der acht Grundstellungen (Ba Shi) und geht zusammen mit Hand, Auge, Körperhaltung, Wissen der Anwendung und Qi. Die Vorstellung leitet das Qi, der Körper folgt dem Qi. Die Vorstellung ergibt sich aus der Wachsamkeit des Geistes. Diesen Zusammenhang versteht man erst durch richtiges Training wirklich.

Cun Li (kurze Kraft)

Die Armbewegungen zielen auf den Einsatz kurzer Impulskraft. Um dies umsetzen zu können, müssen Qi (Energie), Yi (Vorstellung) und Shen (Geist/Körper) miteinander harmonisiert werden.

Shou Fa (Arm-Methode)

Der Mantisboxer verfügt über eine Vielzahl von Arm- bzw Handtechniken. Charakteristisch für das Gottesanbeterin Gong Fu ist die Art des Greifens. Tang Lang Quan ist eine fassende Kunst, welche Chin-Na Prinzipien für die Kontrolle von Knochen, Muskeln, Nerven und Blutbahnen nutzt. Grundlegende Greifarten sind Tiao-Gou (Greifen und Haken) und Tiao Lu (im Kreis Greifen).

San Guan (3 Verknüpfungspunkte)

Um die Aktionen des Gegners richtig einschätzen zu können achtet der Mantis Boxer in der Distanz auf 3 Punkte: Kopf, Schulter und Hand. Entstehende Bewegungen erkennt man zuerst an diesen 3

Ti Tui (Trittmethoden)

Tang Lang Quan kommt fast ohne Tritte aus. Obwohl 12-16 verschiedene Trittmethoden von den meisten Familien geübt werden, setzt der Tang Lang Kämpfer primär Sicheln, Feger, Kniestöße oder Stampftritte ein. Die Gefährlichkeit des Mantis System generiert sich aus der meisterlichen Harmonisierung von Armen und Schritten, die blitzschnell angewandt werden.        

Chin-Na (kontrolliertes Fassen und Hebeln

Ein Mantis Boxer sucht den “Fangschlag“ wie eine Gottesanbeterin:  zur rechten Zeit mit einer blitzschnellen Aktion den Gegner in kampfunfähige Kontrolle bringen. Der Einsatz des Chin-Na´s ist Standard der Mantis-Meister.  Je nach Familie/Lehrer werden zum Verständnis des Chin-Na Prinzips verschieden viele Chin Na Techniken von den klassischen 108 Techniken vermittelt und trainiert.

Partnerformen und -übungen

Um den Stil kampffähig zu machen, bereitet sich der Schüler durch festgelegte und freie Partnerübungen auf den freien Kampf vor. Tang Lang Quan ist nicht für Vollkontakt Wettkämpfe geeignet, da der Einsatz recht hart ist.  Bei sportlichen Kämpfen muss die Sicherheit der Kämpfer durch ein Regelwerk gewährleistet werden, wobei nicht mehr viel vom klassischen Tang Lang Quan anzuwenden ist. Die Wettkampfvorbereitungen, das „Eineichen“ auf Regeln verändern sehr stark das klassische Tang Lang Training. Eine Tang Lang Quan Ausbildung fordert das Meistern der Kämpfenden Ebene, die Schüler sollten sie aber auch wieder verlassen können und andere Werte anstreben als Unbesiegbarkeit. Die klassische Ausbildung verlangt alles vom Schüler, wenn er wirklich die Seele des Tang Lang Quan spüren will. Der Weg zur Meisterschaft dauert bei richtigem Unterricht und richtigen Üben 7-10 Jahre. Der Weg zur Vervollkommnung ist endlos. Bei jeglicher Form von Kampftraining ist es unerlässlich, einander mit Achtung, Respekt und Fairness zu begegnen. Das erfordert ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Disziplin. Jeder Schüler übt im Rahmen seiner Möglichkeiten und wird individuell betreut und gefördert.